Jul
30
19

3 Dinge, die ihr nie zu eurem Hochzeitsfotografen sagen solltet

Es passiert nicht auf jeder Hochzeit und ich bin mir fast sicher, dass niemand, der eine der folgenden Dinge sagt, wirklich zum Ziel hat, den Hochzeitsfotografen damit zu verärgern. Aber dennoch kann ich euch sagen, wenn diese Sätze fallen, fühlt es sich für einen Moment an wie dieses überraschende und unangenehme Stechen im Zahn, das manchmal kommt, wenn man etwas Süßes isst. Es kommt, wenn man nicht damit rechnet und lässt uns für einen kurzen Moment zusammenzucken. Aber lasst euch trotzdem gesagt sein, dass kein Hochzeitsfotograf, der seinen Job gerne macht, sich deswegen die Lust auf eure Hochzeit nehmen lässt, denn schließlich seid ihr als Brautpaar diejenigen, die uns diesen Tag mit eurer Hochzeit erst versüßen. 

1.) „Das kann man doch wegretuschieren, oder?“

Zunächst mal: ja, kann man. Die meisten Hochzeitsfotografen könnten euch ein Gesicht wie das einer Porzellanpuppe zaubern, euren Lippenstift nachzeichnen, die Zähne weiß wie Schnee machen oder eure Haare wahlweise heller oder dunkler machen. Natürlich kann man das alles machen, aber die Frage ist: Seid das dann wirklich noch ihr selbst? 

Um eins jedoch klarzustellen: Natürlich wird auch euer Hochzeitsfotograf alles daran setzen, euch im wahrsten Sinne des Wortes im besten Licht zu präsentieren. Er/sie wird euch so fotografieren, dass er die schönste Seite von euch festhält, aber eben so, wie ihr seid. Mit euren kleinen Grübchen beim Lachen, euren Sommersprossen auf der Nase, oder der Locke, die euch bei jeder Bewegung ins Gesicht rutscht. Eure Make-up Artist wird beim Getting Ready zudem dafür sorgen, dass euer Teint ebenmäßig aussieht, euer Gesicht an den wichtigsten Stellen betont wird und dass eure Haare perfekt sitzen. Und genau mit diesem Look, den ihr beim Getting Ready bekommt, solltet ihr euch auch wohl fühlen und für die Fotos vorbereitet sein.

Ich bin auch der Meinung, man macht eine Reportage nicht besser, indem man in Photoshop möglichst viel am Äußeren der Brautleute herumdoktert. Abgesehen davon, kann es nicht Sinn und Zweck einer Reportage sein, 500 Bilder durch Photoshop zu jagen. Am Schönsten sind in meinen Augen die Brautleute, die lachen können (oder auch mal weinen), die sich natürlich bewegen, deren Augen vor Glück strahlen, die nicht permanent darüber nachdenken, wie sie wohl gerade aussehen, denn selbstverständlich guckt man auch mal komisch, hat die Augen zu oder bewegt seinen Mund beim Sprechen. Genau dafür wird aber euer/eure Hochzeitsfotograf/in sorgen, dass er eben genau diesen einen Moment abpasst, wo ihr, ohne euch zu verstellen, großartig ausseht. Eure Natürlichkeit, euer Lachen, euer Blick: DAS ist es, was euch schön macht und was jedes Bild eurer Reportage mit Emotionen und Lebendigkeit auflädt, von denen immer alle sprechen. 

Macht euch also bitte den Gegensatz zwischen einem Beauty Fotoshootings und einer Hochzeitsreportage bewusst. Wer aussehen möchte wie im Schönheitsmagazin, der darf diesen Wunsch natürlich gern haben und auch umsetzen, aber eine Reportage erzählt eine Geschichte, eine Geschichte über Gefühle, die immer nur dann echt sein können, wenn man sie (auch vor der Kamera) zulässt. 

2.) „Dafür gibt es ja Photoshop!“

Die vergessene Weinflasche vom Polterabend, das Bett, was nicht gemacht wurde, das Handy in der Hosentasche des Bräutigams (Klassiker!), das Brautkleid, was einen Abdruck hinterlässt. All diese Dinge haben etwas gemeinsam: Selbstverständlich kann man sie in Photoshop korrigieren, entfernen und verändern, aber mir fällt kein Grund ein, warum man nicht versuchen sollte, schon im Vorfeld die Bedingungen zu schaffen, die dafür sorgen, dass die Bilder am Ende so sind, wie ihr sie haben möchtet. Als Hochzeitsfotografen versuchen wir so viele Dinge wie möglich zu beachten und wenn mir etwas auffällt, was meiner Meinung nach den Gesamteindruck des Bildes stört, würde ich das auch ansprechen bzw. das Problem beheben. Bedenkt aber bitte, dass auch Fotografen etwas übersehen können und dass so manche nachträgliche Unzufriedenheit, wie beispielsweise über ein schlecht sitzendes Brautkleid, nicht auf den Schultern des Fotografen abgeladen werden sollten.

All das bedeutet nicht, dass Hochzeitsfotografen einfach zu faul sind, Photoshop zu öffnen oder auch mal länger an einem Bild zu arbeiten um es zu perfektionieren. Auch in einer Hochzeitsreportage werden Bilder in Photoshop bearbeitet, bis man als Hochzeitsfotograf absolut zufrieden damit ist. In diesem Abschnitt geht es mir jedoch um Dinge, die vermeidbar sind. Hochzeitsfotografen sind zumeist kreative Köpfe, die es lieben, besondere Momente zu erspähen, mit dem Licht zu spielen oder durch eine neue Perspektive eine ganz andere Sicht zu eröffnen. All diese Dinge passieren nicht einfach so nebenbei, sie erfordern Konzentration, ein scharfes Auge und auch einen freien Kopf. Sind wir Hochzeitsfotografen jedoch zu sehr damit beschäftigt, kleine Störfaktoren zu beheben, die den Bildeindruck stören, ist diese Kreativität gehemmt. 

Versteht mich nicht falsch, bestimmte Sachen, die eben nicht perfekt sind, machen die Hochzeitsreportage erst lebendig: Die Katze, die mit der Blume im Haarkranz spielt, der Spielzeugbagger im Schlafzimmer der Brautleute, das Lippenstiftherz, was von letzter Woche noch auf dem Badezimmerspiegel zu sehen ist… Fragt euch also immer: Würde mich diese eine Sache jetzt stören, wenn sie auf den (möglicherweise allen oder vielen) Bilder zu sehen ist? Und auch wenn das schulterlose Kleid großartig aussieht – sollte es ständig verrutschen, drücken oder der BH rausgucken, überlegt euch ob es das wirklich wert ist. 

3.) „Wir brauchen nur 3, 4 Bilder davon.“ Oder „Können wir alle Bilder haben?“

Es gibt Menschen, die freuen sich tendenziell über viele Bilder, manche sind froh, wenn sie nur ein paar wenige haben. Die Kunst in einer Hochzeitsreportage ist es, diesen Spagat zu machen, aber vor allem, die Reportage und die Geschichte dahinter so abwechslungsreich zu erzählen, dass sich das Paar beim Durchschauen nicht denkt „Das gleiche Bild haben wir jetzt schon 8 mal gesehen.“ Die meisten Hochzeitsfotografen, die Hochzeitsreportagen erstellen, sehen die Bildauswahl als eine der wesentlichsten und wichtigsten Aufgaben bei einer Reportage. Und selbst wenn man von einem besonderen Moment am Ende ein einziges Knüller-Bild hat, ist es höchst unwahrscheinlich, dass man dieses eine Knüller-Bild sofort auf Anhieb in nur einem Versuch geschossen hat. Es ist völlig normal, dass ein Hochzeitsfotograf ständig am Auslöser ist, oder, wenn er es nicht ist, zumindest immer ein Auge auf sein Umfeld hat, um das nächste tolle Bild vorauszuahnen. Dass dabei mehr als nur 3, 4 Bilder von einer Szene entstehen, erklärt sich wahrscheinlich von selbst. 

Das zweite Extrem: Ich habe von Brautpaaren gehört und auch am Anfang meiner Karriere erlebt, dass Paare gefragt haben: „Können wir alle Bilder haben?“ Klare Antwort auf diese Frage: nein. Der Grund ist nicht, dass Hochzeitsfotografen dem Brautpaar etwas vorenthalten wollen oder zu faul zum Bearbeiten sind, sondern dass es für eine gelungene Hochzeitsreportage sogar hinderlich ist, alle Bilder rauszugeben. Die Gründe dafür sind folgende: 

  • Oft hat man (zur Sicherheit) mehrmals in einer Situation auf den Auslöser gedrückt, sodass man manche Bilder doppelt und dreifach hat. Ein Buchautor beschreibt auch nicht drei mal hintereinander die gleiche Szene, nur um dem Verlag einen fetten Schinken hinlegen zu können. Das würde seine Leser wahrscheinlich ziemlich langweilen.
  • Gerade während einer Reportage ist viel Bewegung, es passiert viel, man zeigt viele Gesichtsausdrücke. Nicht alle davon sind vorteilhaft. Das hat nichts mit euch oder eurem Aussehen zu tun, sondern ist völlig normal, weil man nun mal blinzelt oder isst und dabei in der Regel nicht Model-like aussieht. Die wenigstens Fotografen haben ein Interesse daran, euch mit ihren Bildern das Gefühl zu geben, dass ihr nicht gut ausseht oder kein gutes Model wart. Wir Hochzeitsfotografen wollen euch glücklich machen, wir wollen, dass ihr strahlt, wenn ihr die Fotos seht. Wir wollen, dass ihr denkt „Oh mein Gott, sahen wir gut aus!“ Denn ihr saht großartig aus und genau dieses Gefühl sollt ihr bekommen, wenn ihr unsere Fotos seht. 
  • Für die meisten Hochzeitsfotografen ist das Gefühl, die eigenen Bilder abzugeben so, als würde man ein Kunstwerk oder etwas Persönliches von sich überreichen. Gibt man nun seine Reportage ab, in der Bilder sind, mit denen man aus oben genannten Gründen unzufrieden ist, ist das hochgradig frustrierend und führt dazu, dass man etwas abgibt, wofür man nicht steht oder womit man sich nicht identifizieren kann. Das ist sowohl schlecht für den Fotografen als auch für das Brautpaar, denn natürlich sollen Brautpaare, die sich anhand der Bilder für einen Fotografen entscheiden, auch wissen, für welche Art von Bildern dieser Fotograf steht.

Vertraut also bitte euren Hochzeitsfotografen bei der Bildauswahl. Die meisten wissen, was sie tun und haben ein gutes Gespür dafür, was die Reportage zu dem macht, was sie ist: eine gelungene Bildergeschichte eures Hochzeitstages. 

Habt ihr noch weitere Dinge, die euch einfallen? Dann schreibt sie mir in die Kommentare!

Eure Christine

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